Reisebericht Mexiko  /  Trip report Mexico
  Kapitel / Chapter:  Maya-Kultur                   

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Mayas

Die Maya stammten aus dem Hochland von Guatemala. Um 1000 v. Chr. wanderten sie in das Tiefland auf der Halbinsel Yucatán ein, wo sie Sümpfe mit Kanälen trockenlegten um Pflanzen anzubauen. Im 7. Jahrhundert v. Chr. begannen sie, monumentale Tempelpyramiden zu errichten. Es entstanden kleine Stadtstaaten. Die Schrift, den Kalender und das rituelle Ballspiel übernahmen sie wahrscheinlich von den Olmeken und den Zapoteken, mit denen sie durch den Handel in Kontakt kamen.

Im 300 n. Chr. begannen die Maya, die im Gebiet um Petén lebten, Steinmonumente, so genannte Stelen, zu errichten, auf denen sie die Leistungen ihrer Könige verzeichneten und wichtiger Ereignisse gedachten. Viele dieser Stelen blieben erhalten, überwuchert von der Vegetation des Regenwaldes. Die Archäologen konnten ihre Inschriften entschlüsseln, die in einer Bilderschrift abgefasst sind. Daraus ging hervor, dass sich die Stadtstaaten der Maya, wie Tikal und Palenque, praktisch ständig bekriegten. Kriege waren nötig, um Gefangene für die Menschenopfer zu machen. Ihr Götterglaube verlangte es, an bestimmten Tagen oder zu Ereignissen wie der Bestattung eines Königs Menschenopfer darzubringen. Die Opfer wurden gefoltert, bevor man ihnen das Herz herausschnitt. Auch die Maya-Könige mussten sich schmerzhaften Ritualen unterziehen; so wurden ihre Zungen mit dem Stachel eines Rochens durchbohrt, damit sie sich mit den Geistern der Ahnen verständigen konnten.

Die Maya besassen einen sehr genauen Kalender, der auf präzisen astronomischen Beobachtungen beruhte, und sie schrieben Bücher, die sie mit Bildern verzierten.


Kriege und Hungersnöte, die wahrscheinlich durch eine zu starke Nutzung des Bodens entstanden, führten nach 800 zum raschen Verfall und zur Entvölkerung der Maya-Städte im Tiefland. Die Städte des Hochlandes konnten sich länger halten und wurden erst Ende des 16. Jahrhunderts von den Spaniern unterworfen.



Landkarte Mittelamerika und Mayastätten in Mexico, Guatemala und Honduras

        

Auf meiner Mittelamerika-Reise, welche unter dem Motto: "Auf den Spuren der Mayas, Tolteken und Azteken" stand, bereiste ich die Länder Mexiko, Guatemala und Honduras.  



Geographische Eingrenzung der Mayawelt: 

Die Zivilisation der Maya breitete sich über die heutigen Bundesstaaten Mexikos aus, welche Chiapas, Tabasco, Campeche, Yucatan und Quintana Roo sind, ganz Guatemala, ganz Belize und die geographisch in drei grundverschiedene Regionen westlichen Teile von Honduras und El Salvador. Dieses Gebiet lässt sich gliedern in die:  

Nördliche Zone (das nördliche Tiefland, die Yucatan-Halbinsel) mit grösstenteils unfruchtbaren Ebenen und flachem trockenem Land. Sieben Monate im Jahr fällt in der Regel kein Regen. Nur wenige Seen und Flüsse finden sich hier. 

Mittlere Zone (zentrales Tiefland) wurde zum eigentlichen Kernland der Mayakultur mit grossen Flüssen und üppigen Regenwaldgebieten. Die grossen Flüsse garantierten die Wasserversorgung und der Regenwald bat reichlich Nahrung sowohl in tierischer als auch in pflanzlicher Art. 

Südliche Zone (Hochland- und Küstenregion des Pazifischen Ozeans) einerseits mit hohen Bergen und kühlem Klima, wo es im Gegensatz zum Tiefland beträchtlich kalt werden kann und der sehr heissen Pazifikküste. 

Diese unterschiedlichen klimatischen Bedingungen beeinflussten die Maya in ihrer Lebensweise, Kleidung, Kunst, Architektur und sozialem Leben auf vielfach verschiedene Weise. 

Die Grundlagen der Maya-Hochkultur bildeten sich in der mittleren Zone heraus, wo die Maya aufgrund der vielen grossen Flüsse und des Regenwaldes alle zum Überleben nötigen Voraussetzungen vorfanden. 

 

Die erste Einteilung in zeitliche Abschnitte beginnt ab 1500 v. Chr. 


Vorklassische Periode (1 500 v. Chr. - 250 n. Chr.) 

Frühes Vorklassikum (1 500 - 900 v. Chr.):
Die Olmeken, die als die Wurzeln der Maya gelten, gründen erste Königreiche, somit das erste weltanschauliche politische System. Die Könige dieser Zeit waren herausgehobene Dorfpatriarchen oder Oberhäupter von Sippen. Erste primitive Sakralstätten werden gebaut, mit Tempeln, die einfache Hütten aus vergänglichen Materialien waren. Sie wurden auf einer Plattform konstruiert oder an besonderen Orten, wie natürlichen Erhebungen, somit dem Volk gegenüber erhöht.
 

Mittleres Vorklassikum (900 - 300 v. Chr.):
Anfänge einer differenzierten Architektur und der Vorliebe für Zeremonien. Mathematik, Astronomie, Kalenderkunde und Hieroglyphenschrift werden die ersten Wissenschaften. Beginn verschiedener künstlerischer Techniken wie Töpfern, Weben und Bearbeiten von Stein und Holz.
 

Spätes Vorklassikum (300 v. - 200 n. Chr.):
Weiterer Aufstieg des Königtums; der König wurde nun als Verbindungsglied zu den Göttern und Ahnen angesehen, um so die Geschicke seines Volkes besser leiten zu können. Herausbildung der Adelsschicht, soziale Differenzierung.
 


Die Klassik (250 n. Chr. - 900 n. Chr.) 

n der klassischen Periode fand die Mayakultur in den grandiosen Stadtstaaten von Tikal, Calakmul, Palenque, Copan und vielen anderen zu ihrem absoluten Höhepunkt, geographisch gesehen liegen alle diese Stätten in der oben genannten mittleren Zone, dem Maya-Kernland. 

Es kommt zu einer sprunghaften Vermehrung der Königreiche und Entwicklung in allen Teilbereichen des Lebens. Die Forschung in den Wissenschaften wird vorangetrieben und führt kontinuierlich zu neuen Erkenntnissen. Es kommt zu weiteren sozialen Differenzierungen und Fortschritten bei handwerklichen Techniken und Formen. 

In Bezug auf die Architektur: Steinbruch und -transport, Verwendung von Mörtel als Bindemittel, Verwendung von Stuck zum Schutz des Baues, ausgearbeitete Treppen, Geländer und Säulen, Verzierung durch Friese, Skulpturen, Wandmalereien und Mosaike. Es entstehen riesige zeremonielle Zentren mit Tempeln bis zu 70 Metern Höhe und Akropolen mit einer Vielzahl an Administrations- und Schulungsgebäuden. 

Über das gesamte Gebiet und sogar darüber hinaus mit anderen Stämmen wird zwischen den Stadtstaaten zu Land und zu Wasser ein ausgedehnter Handel getrieben. Besonders begehrt sind Jade, Obsidian, bestimmte Vogelfedern und Tierfelle. Die Welt der Maya ist im 8. Jahrhundert nach Christus an ihrem Höhepunkt angelangt! 

Im 9. Jahrhundert werden alle Stadtstaaten im zentralen Tiefland aus bis heute ungeklärten Gründen verlassen. Verschiedene Theorien gehen auf erhöhte Kriegführung unter den einzelnen Stadtstaaten ein oder auf den Verlust des Obrigkeitsglaubens an den allmächtigen Gottkönig. 


Postklassik (900 - 1492 n. Chr.) 

Nach dem Zusammenbruch der klassischen Mayakultur (das letzte Monument des Maya-Kerngebietes mit Datierung wurde 909 n. Chr. in Tonina aufgestellt) bekommen die Zentren des nördlichen Tieflandes grossen Zulauf an Menschen und gewinnen so beträchtlich an Macht und Einfluss. Uxmal und Chichen Itza sind zunächst die dominierenden Stadtstaaten der Postklassik. In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts wird Chichen Itza von Mayapan, wodurch die Yucatan-Halbinsel in verschiedene kleine Kaziken zerfällt. Es gibt keine absolute Grossmacht mehr. Nach dem Untergang Chichen Itzas wird Tulum der wichtigste Handelshafen und besteht bis zur Ankunft der Spanier im Jahre1492. Nach und nach wird das gesamte Mayaland unterjocht. Ihre endgültige Unterwerfung wird allgemein auf das Jahr 1541 datiert, doch eine Untergruppe der Itza-Maya,  die sich auf einer Insel im Lago Peten Itza niedergelassen hatten (nahe Tikals, welches schon lange verlassen worden war), konnten bis zum Jahre 1697 Widerstand leisten. 


Religion 

Nach dem Glauben der Maya gliederte sich der Kosmos in drei Bereiche. Zuoberst das Himmelsgewölbe, das aus dreizehn verschiedenen Schichten bestand, jede Schicht repräsentiert durch eine Gottheit, in der obersten Schicht das Ur-Paar, die höchste Dualität, der Ursprung aller Gitter und Menschen. Dann folgt die Erde mit seinen indianischen Bewohnern und zuunterst die Welt Xibalbas, wo die Ahnen weiterlebten. Xibalba ist eine Art Parallelwelt zur Erde, nicht mit unserer Hölle zu verwechseln. 

Alle Bereiche bedingten einander. Das, was sich unter den Bewohnern Xibalbas abspielte, beeinflusste die diesseitige Welt, brachte Gesundheit oder Krankheit, Sieg oder Niederlage, Leben oder Tod, Reichtum oder Armut. Andersherum benötigten die Ahnen und Götter Nahrung, die ihnen nur die Menschen in Form pflanzlicher, tierischer und menschlicher Opfer darbringen konnten. Die Ausführung hierzu waren rituelle Zeremonien, die sowohl im Kleinen in den familiären Häusern stattfanden als auch im Grossen von Priestern und Koenigen auf den Tempeln als grossartige Schauspiele durchgeführt wurden, während derer die Könige durch Aderlass an Zunge oder Penis in Trance verfielen und dann nach Mayaglauben zwischen den Welten wandern konnten oder einen Ahnen aus Xibalba heraufbeschwören konnten, um die Götter und Ahnen um Rat fragen zu können. 

Die Welt selbst stellt sich nach Ansicht der Maya als runde Oberfläche dar, die auf dem Rücken eines gigantischen Krokodils gelegen ist, denn dieser weist Unmengen an Erhebungen und Vertiefungen auf, gleichzusetzen mit den Gebirgen und Tälern der Erde. Jede Himmelsrichtung wurde mit einer Farbe assoziiert, der Osten mit der Farbe rot, die den Sonnenaufgang widerspiegelt, die Geburt des Tages, den Beginn des Lebens, somit die höchstrangigste Weltgegend. Dem Norden wurde die Farbe weiss zugeordnet und dem Süden gelb. Helle Farben, die das Tageslicht symbolisieren. Der Westen, wo die Sonne verschwand und den Menschen in Dunkelheit zurückliess, bekam die Farbe schwarz, gleichzusetzen mit dem Tod des Tages. Das Zentrum mit den zwei Farben blau und grün bezeugt die Wichtigkeit des alltäglichen Lebens mit den Einflüssen des immergrünen Dschungels, des Himmels und des lebensnotwendigen Wassers. Im geographischen Zentrum wuchs eine enorme Ceiba (Kapokbaum), heiliger Baum der Maya. Er symbolisierte eine Art Weltachse, indem er in allen drei Stufen und sämtlichen Schichten zugleich existierte. Sein Stamm befand sich in der Welt der Menschen, seine Wurzeln reichten hinab in die Unterwelt von Xibalba und seine Wipfel durchzogen die Schichten des Himmelsgewölbes. An den vier Himmelrichtungen befand sich jeweils ein kleiner Baum, in dem eine Vogelart der jeweiligen Farbe der Himmelsrichtung lebte und natürlich wurde jede Himmelsrichtung von einer Gottheit bewohnt. 


Architektur 

Die religiöse Monumentalarchitektur der Maya entwickelte sich ausschliesslich aus dem System des "Mayabogens", eines Kraggewölbes, dessen zwei parallele Mauern ab einer bestimmten Höhe beginnen sich einander anzunähern. So werden beide Wände kontinuierlich zum Zentrum des zu überdeckenden Raumes geführt, bis die verbleibende Spanne so gering geworden ist, dass man sie mit einer einzigen Steinlage schliessen konnte. Doch diese ausschliessliche Benutzung des Hohlbaus aus zwei überkragenden Mauern warf im weitesten Sinne grosse Probleme auf, denn man kann mit diesem System lediglich eine maximale Innenraumbreite von drei Metern erreichen. Die Flexibilität der Anordnung und Grösse des Innenraumes war also stark beeinträchtigt. So blieb das Interesse für den Innenraum immer zweitrangig, denn aufgrund der schweren Konstruktionsart herrschte das massige Mauerwerk unweigerlich dem Innenraum vor. Man findet im gesamten Mayagebiet Gebäude mit kleinen Innenräumen, die von gigantischen Konstruktionen geschlossen oder überbaut sind. Die architektonische Aufmerksamkeit der Maya galt immer der Monumentalität, der Fassade und dem Kult. 

Monumentalität  
Die Monumentalität wird durch die riesigen, massigen Volumen der Pyramidentempel hervorgerufen, die die Plätze auf denen sich das begeisterte Volk befand, dominierten. Ein Pyramidentempel ist grundsätzlich unterteilt in drei Teile, zunächst der pyramidale Unterbau, der das eigentliche Heiligtum, den Tempel trägt. Auf diesen ist die cresteria, der so genannte Dachkamm aufgesetzt. Die Pyramidentempel besitzen einen charakteristischen vertikalen Zug, sie streben in die Höhe, in Richtung Himmelsgewölbe zu den Göttern. Dieser vertikale Zug wird durch die aufeinander gesetzten Absätze der Pyramide hervorgerufen, die sich nach oben verjüngen und mit ihrem Spiel von vorspringenden und zurückgesetzten Ebenen nach oben tendieren, durch eine steile Treppe ohne Balustraden und den besonders geeigneten Abschluss, den Höhenzug unterstreichend, die cresteria, die sich von der hinteren Hälfte des Tempels erhebt und sich ebenfalls nach oben verjüngt. Dazu befindet sich in der Mitte der beiden Seitenteile des Tempels am vorderen Ansatzpunkt der cresteria jeweils eine Zwischenkehle, die sich ebenfalls nach oben verjüngend einen starken Schatten hervorruft, der durch das dünner werden nach oben weist. Da die Zwischenkehle genau am vorderen Ansatzpunkt der cresteria beginnt, hinterlässt sie zudem den Eindruck, die cresteria würde als Volumen vom Tempelgrund aufsteigen. Dadurch glaubt der Betrachter, der Tempel wäre als Gebäude zweigeteilt und somit noch schlanker, noch mehr in die Höhe tendierend. 

Fassade  
Auf die Fassade, das Äussere der Pyramidentempel wurde grösste Wertschätzung gelegt. Monumentale Masken flankieren Treppen und Tempel, Wandmalereien und kompliziert mit Skulpturen versehene Mosaikfassaden werden eingearbeitet. Grosse, breite Friese schliessen die Tempel nach oben hin ab, die Vorderseiten der cresterias werden künstlerisch bearbeitet. Die Eingänge werden mit fein geschnitzten Türstürzen versehen. Von diesen Dekorationen ist heutzutage leider nicht mehr viel zu sehen, denn die Überwucherung durch den Dschungel und die Witterung hat solche freiliegenden Details natürlich weitestgehend zerstört. Einen annähernden Eindruck der Kunst gibt die cresteria von Tempel 2 in Tikal. Die sichtbaren Reste fein gearbeiteter Ohren an den Seiten und einiger Verzierungen im Zentrum lassen darauf schliessen, dass die gesamte cresteria als eine riesige Maske ausmodelliert war. Die Reste von durchbrochenem Ornament am oberen Ende der cresteria lassen vermuten, dass wenigstens ein Viertel der Höhe fehlt. Somit hätte die Höhe im ursprünglichen Zustand um die zehn Meter betragen. An diesem Aufwand an Dekoration wird auch klar, welche Symbolkraft die Tempel besessen haben müssen. Als Huldigung an die Götter waren sie für den gewöhnlichen Maya ein unnahbarerer Reliquienschrein, der sich während der Zeremonien in geheimnisvolle Wolken mit einem Weihrauch-/Copal-Gemisch hüllte und die Phantasie über die Geschehnisse im mystischen Universum anregte. 

Kult  
Der Kult der Maya fand grundsätzlich im Freien statt. Die Maya liebten es, die Tempel um riesige Plätze zu gruppieren. Während der Zeremonien (Opferungen, Aderlass) hielt sich das Volk auf den grossen Plätzen, zu Füssen der riesigen Tempel auf und verfolgte die Durchführung der Rituale und Beschwörungen der Priester und Könige. Grosszügige Strassen, sicher mit zeremonieller Bedeutung, verbinden die wichtigsten architektonischen Komplexe. Diese langen, breiten Strassen, die auf die Plätze und Tempel zuführen, dramatisieren die ganze Situation noch zusätzlich. Das eigene Volk, aber auch auswärtige Händler und Reisende werden dadurch beeindruckt. 

in weiteres Merkmal der Maya-Architektur sind die grossen Akropolen, bei denen Grössenordnungen von mehreren hundert Quadratmetern keine Seltenheit sind. Auf ihnen wurden entweder Tempel oder Paläste errichtet. Wurden Tempel auf ihnen gebaut, so war es zu Ehren hochgestellter Verstorbener, deren Gräber sie bedecken sollten. Diese Tempel wurden im Laufe der Jahrhunderte mehrfach überbaut, weil man meinte die religiöse Kraft dieser "heiligen Berge" würde sich damit verstärken. Hierbei wurde der zu überbauende Tempel vorher rituell getötet, indem man in seinem Inneren eine Stele aufstellte und diese durch Zerkratzen oder Abbrennen zeremoniell sterben liess. Nun konnte der alte Tempel abgerissen oder überbaut werden und seine Energie in den neuen Tempel übergehen. Im zweiten Fall wurden auf einer solchen Plattform so genannte Paläste erstellt, die mit Administrations- und Schulungsgebäuden und Wohnblocks die Ergänzung zum religiösen Kern bildeten. Die Innenräume dieser Gebäude sind als längliche Galerien angeordnet, manchmal in drei oder vier parallelen Reihen und mit zwei bis drei Stockwerken. Hier wohnten zumindest vorübergehend, wenn nicht ständig hochgestellte Persönlichkeiten oder Priester und nutzten die Räumlichkeiten zur Verwaltung und Organisation des Stadtstaates. 

Die hier beschriebene Architektur bezieht sich hauptsächlich auf die Region von Tikal, das heutige Peten. Je nach der Region und der Epoche trifft man auf bestimmte Variationen in der Konstruktion der Mayabauten. Sowohl grobe Mauern und Wölbungen aus Steinen und Steinplatten, die dann mit starken Schichten von Stuck nachbearbeitet wurden, als auch Gebäude, die in mehr oder weniger perfektionierter Technik errichtet worden sind. In den Monumentalzentren des Peten, der Tikal-Region, wo ein relativ weicher Kalksandstein in ausreichendem Masse vorhanden war, verfeinert sich im Laufe der Klassischen Periode die Qualität der Bearbeitung und Vermauerung der Steine. In der mittleren und Endphase lassen sich zwei Arten des Mauerwerks unterscheiden. Bei der ersten, die vor allem im Gebiet Tikals vorkommt, bestehen Innen- wie Aussenwände aus Steinblöcken, deren Vorderseite sauber bearbeitet ist und deren Abmessungen in der Regel eine grössere Tiefe bei geringerer Höhe zeigen. Den Hohlraum zwischen den beiden gemauerten Schichten füllt eine kompakte Mischung aus Steinen und Kalk. Eine weitere Verfeinerung, die sich auf der Yucatan-Halbinsel antrifft, bildet der zweite Mauertyp, bei dem die Wände eine sehr regelmässige Anordnung von erheblich dünneren Blöcken zeigen, die häufig nicht nur einfach als Verkleidung konzipiert sind, sondern gegenüber dem kompakten Kern zusätzlich auch noch die Funktion der Rippe oder Schalung erfüllen. 

Zu Beginn haben wir die Einteilung der Welt der Maya in 3 grosse Teile betrachtet. Nun gibt es eine weitere Unterteilung in 15 verschiedene Regionen.

Jede einzelne dieser Regionen begrenzt gleichzeitig ein geographisches Gebiet als auch einen architektonischen Stil innerhalb der Mayaarchitektur, der zumeist durch den Einfluss einer der grossen Hauptzentren, welches das jeweilige Gebiet beherrschte, hervorgerufen wurde. 


Astronomie 

Astronomie und Himmelsbeobachtung spielte im religiösen Leben der Maya eine sehr grosse Rolle. Da sich Religion und Mythologie ganz an Astronomie und  Astrologie orientierte und religiöse Feste und Zeremonien an genau vorgeschriebenen Tagen begangen werden mussten, beschäftigten sie sich daher ausgiebig mit den Himmelserscheinungen. Um komplizierte Rechnungen aufzustellen, entwickelten sie ein 20er - Zahlensystem und verwendeten ebenfalls die Zahl Null, was für damalige Zeit nicht immer selbstverständlich war. Sie legten als einzige der präkolumbianischen Kulturen ihre Beobachtungen schriftlich, in Steinhieroglyphen und Bilderhandschriften, nieder. Es gibt Tabellen, an Hand derer man Sonnen- und Mondfinsternisse vorausberechnen und Angaben zum Stand der Venus berechnen konnte. Um alle diese Angaben machen zu können, entwickelten die Maya ein sehr komplexes Kalendersystem, das auf einer Tagesangabe beruht, dem aber meistens noch zusätzliche Informationen über den Stand des Mondes und der Venus hinzugefügt waren. Es wurden auch Daten, die sehr weit in der Zukunft bzw. Jahrmillionen in der Vergangenheit lagen, bestimmt. Die Unendlichkeit der Zeit war im Weltbild der Maya fest verankert.



Kalendersysteme der Maya 

Die Maya, deren Kultur zwischen 300 bis etwa 800 n. Chr.  ihre Blütezeit erlebte, besassen zwei parallele Kalendersysteme. Der religiöse Kalender, Tzolkin genannt, hatte ein "Jahr" mit 260 Tagen, während der Haab genannte "bürgerliche" Kalender ein Sonnenjahr mit 365 Tagen ohne Schaltjahre hatte. Gemeinsam ist beiden Kalendern, dass sie keine Jahresangabe kennen. Für chronologische Zwecke wurde ein weiteres Kalendersystem benutzt. Leider sind durch spanische Conquistadoren und besonders den Missionseifer der katholischen Kirche unersetzliche Zeugnisse der amerikanischen Kultur zerstört worden. Alle greifbaren Codices der Maya wurden systematisch verbrannt, hauptsächlich während der Amtszeit des Bischofs Diego de Landa (1558-1579), so dass sich die Forschung meist auf archäologische Funde stützen muss.

Der 260-Tages-Zyklus wurde schon um 500 v. Chr. von verschiedenen Völkern verwendet, neben den Maya von den Zapoteken, den Olmeken, den Azteken und den Tolteken. Die Grosse Zählung entstand spätestens im 1. Jahrhundert v. Chr. wahrscheinlich bei den Olmeken.


Tzolkin

Diesem religiösen Kalender lagen zwei Zyklen von 20 bzw. 13 Tagen zu Grunde. Dabei wurden die Tage innerhalb des 20tägigen Zyklus mit Namen bezeichnet, deren Reihenfolge festgelegt war:

Nr.

 Name

Nr.

 Name

Nr.

 Name

Nr.

 Name

1

 Imix

6

 Cimi

11

 Chuen

16

 Cib

2

 Ik

7

 Manik

12

 Eb

17

 Caban

3

 Akbal

8

 Lamat

13

 Ben

18

 Eznab

4

 Kan

9

 Muluc

14

 Ix

19

 Cauac

5

 Chicchan

10

 Oc

15

 Men

20

 Ahau


Die Stellung eines Tages im 13-Tages-Zyklus wurde durch die Nummer innerhalb des Zyklus angegeben. Ein Tag wurde durch die Nummer im 13-Tages-Zyklus, gefolgt von der Tagesbezeichnung im 20-Tages-Zyklus bezeichnet. Das kleinste gemeinsame Vielfache von 13 und 20 ist 260, weshalb auf diese Weise jeder Tag innerhalb des 260tägigen "Jahres" eine eindeutige Bezeichnung erhielt. Beide Zyklen wurden parallel weitergezählt, so dass der dem Tag 1 Imix folgende Tag 2 Ik hiess, und auf 13 Ben folgte 1 Ix. Die Bezeichnungen der ersten 25 Tage des religiösen "Jahres" der Maya zeigt die folgende Tabelle.

 Name

 Name

 Name

Nr.

 Name

 1 Imix

 6 Cimi

 11 Chuen

3 Cib

 8 Imix

 2 Ik

 7 Manik

 12 Eb

4 Caban

 9 Ik

 3 Akbal

 8 Lamat

 13 Ben

5 Eznab

 10 Akbal

 4 Kan

 9 Muluc

 1 Ix

6 Cauac

 11 Kan

 5 Chicchan

 10 Oc

 2 Men

7 Ahau

 12 Chicchan



Haab

Der "bürgerliche" Kalender der Maya hatte im Gegensatz zum eben beschriebenen religiösen Kalender ein Jahr mit 365 Tagen, das in 18 Monate geteilt wurde, die jeweils 20 Tage hatten. Die 18 Monate wurden von fünf Zusatztagen gefolgt, die die Bezeichnung "Uayeb" trugen und als Unheil bringende  Tage angesehen wurden. Die folgende Tabelle zeigt Namen und Reihenfolge der 18 Monate und der fünf Zusatztage.

Nr.

 Name

Nr.

 Name

Nr.

 Name

Nr.

 Name

1

 Pop

6

 Xul

11

 Zac

16

 Pax

2

 Uo

7

 Yaxkin

12

 Ceh

17

 Kayab

3

 Zip

8

 Mol

13

 Mac

18

 Cumku

4

 Zotz

9

 Chen

14

 Kankin

19

 Uayaeb

5

 Tzec

10

 Yax

15

 Muan

 

 


Erstaunlich ist, dass die Tage innerhalb dieser Monate nicht mit eins beginnend nummeriert wurden, sondern die Nummern 0 bis 19 trugen. Als in Europa noch mit Rechenbrettern und römischen Zahlen hantiert wurde, waren die Maya bereits an der Schwelle der Entdeckung der Ziffer Null. Die Angabe eines Datums in diesem Kalender bestand aus der Nummer des Tages im Monat und dem Monatsnamen, also beispielsweise 7 Kankin für den achten (!) Tag des Monats Kankin.


Zur vollständigen Angabe eines Datums wurden die Bezeichnungen eines Tages in beiden Kalendern angegeben. Durch diese Einrichtung erhielt jeder Tag innerhalb eines Zyklus von 52 Jahren (zu je 365 Tagen) eine eindeutige Bezeichnung. Der Beginn eines neuen 52-Jahres-Zyklus war Anlass zu grossen Feierlichkeiten.


Grosse Zählung

Sowohl dem Haab- als auch dem Tzolkin-Kalender war eine Jahreszählung fremd, so dass für chronologische Zwecke ein weiteres System entwickelt wurde, das den hohen Stand der Wissenschaft in der Kultur der Maya dokumentiert.

Die Grundeinheit der Zählung bildete der Tag, mit Kin bezeichnet. Jeweils 20 Tage wurden zu einer größeren Zeiteinheit zusammengefasst, die den Namen Uinal trug. 18 Uinal bildeten ein Tun, dessen Länge die Länge eines Sonnenjahres grob annäherte. Weitere sechs Zeiteinheiten, die jeweils 20 ihrer Vorgänger umfassten, ermöglichten eine eindeutige Datierung innerhalb eines Zeitraumes von über 126 Millionen Jahren. Die Zeiteinheiten mit den zugehörigen Längen zeigt die folgende Tabelle.

 

Einheit

Länge in Tagen

Länge in Haab-Jahren

trop. Jahren

 

Kin

1

 

 

 

Unial          =  20 Kin

20

 

 

 

Tun            =  18 Unial

360

1

 

 

Katun         =  20 Tun

7200

20

19,7

 

Baktun       =  20 Katun

144000

400

394,3

 

Pictun        =  20 Baktun

2880000

800

7885,2

 

Calabtun   =  20 Pictun

57600000

160000

1577004

 

Kinchiltun  =  20 Calabtun

1152000000

3200000

3154072


Die Tage wurden von einem festgelegten Zeitpunkt beginnend fortlaufend gezählt und in den beschriebenen Einheiten dargestellt. Ein Datum könnte somit 7 Baktun 17 Katun 18 Tun 13 Uinal 1 Kin gelautet haben, kurz 7.17.18.13.1 geschrieben. Der Beginn der Zählung wird heute meist auf den 6. September 3114 v. u. Z. gelegt. Es gibt aber auch abweichende Meinungen.



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